Auswandern mit 50 ist etwas anderes als mit 28. Es geht nicht um Abenteuer, sondern um die zweite Lebenshälfte: Wo will ich alt werden, und was passiert mit Rente, Krankenversicherung und dem, was ich mir aufgebaut habe? Ich beantworte die Fragen, die in Beratungen mit Menschen zwischen 50 und 65 immer wieder auftauchen, und nenne die Länder, die sich in dieser Lebensphase bewährt haben.
Was passiert mit der Rente beim Auswandern im Alter?
Die gesetzliche Rente wird unabhängig vom Wohnsitz gezahlt, auch außerhalb der EU. Der Anspruch bleibt, die Höhe bleibt, die Deutsche Rentenversicherung überweist auf ein ausländisches Konto. Zwei Punkte solltest du kennen:
- Steuern: Deutschland besteuert die Rente auch bei Wohnsitz im Ausland, in der Regel beschränkt steuerpflichtig, ohne Grundfreibetrag. Je nach Doppelbesteuerungsabkommen wird die Rente aber im Wohnsitzland besteuert, etwa in Spanien, Portugal und Österreich. Das kann günstiger oder teurer sein. Eine verbindliche Auskunft gibt das Finanzamt Neubrandenburg, das für Rentner im Ausland zuständig ist.
- Riester und Betriebsrente: Riester-Förderung muss bei Wegzug außerhalb der EU zurückgezahlt werden, innerhalb der EU nicht. Betriebsrenten werden wie gesetzliche gezahlt, aber prüfe die Vertragsbedingungen.
Wer mit 50 auswandert und noch nicht in Rente ist, sollte klären, ob er weiter in Deutschland einzahlt (freiwillig möglich) oder im neuen Land. Beitragszeiten in EU-Ländern werden zusammengerechnet, das ist ein großer Vorteil innerhalb Europas.
Auswandern mit 55: Wie funktioniert die Krankenversicherung?
Das ist die wichtigste Frage, und die Antwort hängt vom Ziel ab.
Innerhalb der EU, Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein
Wer eine deutsche Rente bezieht und keine Rente aus dem Wohnsitzland, bleibt in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung und wird im Wohnsitzland über das Formular S1 behandelt, als wäre er dort versichert. Das gilt für Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Frankreich und alle anderen EU-Länder. Wer noch arbeitet, wechselt ins System des Arbeitslandes.
Außerhalb der EU
Hier endet die gesetzliche Krankenversicherung mit dem Wegzug. Du brauchst entweder eine private Krankenversicherung im Zielland oder eine internationale Krankenversicherung. Ab 55 ist das der teuerste Posten: Rechne mit 300 bis 800 Euro im Monat, mit Vorerkrankungen mehr oder gar nicht versicherbar. Für die Rückkehr nach Deutschland ist es wichtig, eine Anwartschaft bei der deutschen Kasse zu halten, sonst ist der Wiedereinstieg schwierig.
Welche Länder eignen sich für Auswanderer über 50?
| Land | Krankenversorgung | Lebenshaltung vs. DE | Sprache | Deutsche Community |
|---|---|---|---|---|
| Spanien | gut, EU-System, S1 | −15 bis −30 % | Spanisch nötig | groß (Costa Blanca, Mallorca, Kanaren) |
| Portugal | gut, EU-System, S1, längere Wartezeiten | −10 bis −35 % | Portugiesisch nötig | mittel (Algarve, Lissabon) |
| Österreich | sehr gut, EU-System | ±0 bis +10 % | Deutsch | sehr groß |
| Griechenland | mittel, EU-System, private Zusatz sinnvoll | −20 bis −35 % | Griechisch, Englisch auf Inseln | klein |
| Thailand | gut in Bangkok, privat zu zahlen | −40 bis −60 % | Englisch reicht meist | groß (Hua Hin, Chiang Mai) |
| Paraguay | eingeschränkt, privat | −50 bis −65 % | Spanisch nötig | groß |
Meine Erfahrung: Wer über 55 ist, sollte innerhalb der EU bleiben, wenn nicht sehr gute Gründe dagegen sprechen. Der Erhalt der gesetzlichen Krankenversicherung wiegt schwerer als jede Ersparnis bei der Miete. Wer nach Portugal möchte, findet die Details im Beitrag Auswandern nach Portugal.
Die fünf Fragen, die du vor dem Umzug klären musst
- Wie ist die Versorgung im Ernstfall? Nicht die Hausarztpraxis im Ort, sondern das nächste Krankenhaus mit Kardiologie und Onkologie. Wie weit ist es entfernt, und in welcher Sprache spricht man dort mit dir?
- Was passiert, wenn ein Partner stirbt? Kann der andere allein in diesem Land, in diesem Haus, in dieser Sprache leben? Diese Frage klingt hart, entscheidet aber viele Auswanderungen nach zehn Jahren.
- Wie sieht die Pflege aus? Deutsche Pflegeversicherung zahlt im EU-Ausland Pflegegeld, aber keine Sachleistungen. Wer Pflege braucht, muss sie vor Ort selbst organisieren.
- Bleibt ein Fuß in Deutschland? Eine kleine Wohnung, ein Konto, eine Anwartschaft bei der Krankenkasse. Rückkehr ist keine Niederlage, sondern eine Option, die man sich offenhalten sollte.
- Kannst du die Sprache lernen? Mit 50 ist das möglich, aber es braucht ein bis zwei Jahre ernsthafte Arbeit. Wer das nicht will, wählt Österreich, die Schweiz oder eine Region mit großer deutscher Community.
Probewohnen statt Auswandern
Mein wichtigster Rat für alle über 50: Zieh nicht um, sondern probiere. Drei Monate im Winter im Zielland, in einer Mietwohnung, nicht im Hotel. Geh zum Arzt, zum Amt, zum Supermarkt. Wer danach immer noch will, wandert aus. Wer sich in der Nebensaison einsam fühlt, hat sich viel Geld und einen Fehlumzug gespart. Was vor dem endgültigen Schritt alles zu erledigen ist, steht in der Auswandern-Checkliste mit 30 Punkten.
Häufige Fragen
Kann ich mit 50 noch einen Job im Ausland finden?
Innerhalb der EU ja, vor allem in Mangelberufen wie Pflege, Handwerk und Technik, oft mit deutschen Arbeitgebern vor Ort. Außerhalb der EU sind Arbeitsvisa ab 50 deutlich schwerer zu bekommen.
Was ist mit dem Haus in Deutschland?
Vermieten statt verkaufen, mindestens für die ersten drei Jahre. Das sichert Einkommen und die Rückkehroption.
Wird meine Rente gekürzt, wenn ich auswandere?
Nein, innerhalb der EU und in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen wird sie voll gezahlt. Nur bei einigen Ländern ohne Abkommen kann es bei bestimmten Rentenarten Einschränkungen geben. Die Deutsche Rentenversicherung gibt vor dem Umzug eine verbindliche Auskunft.

