Beim Auswandern gehen die wenigsten Dinge schief, weil sie schwer sind. Sie gehen schief, weil sie vergessen werden: die Steuererklärung für das Wegzugsjahr, der Nachsendeauftrag, der Zahnarzttermin, den man in Deutschland noch günstig hätte machen können. Diese Auswandern-Checkliste hat 30 Punkte, sortiert nach Zeit. Sie basiert auf meinem eigenen Umzug nach Portugal und auf den Listen der Menschen, die ich seitdem begleitet habe.
12 bis 6 Monate vorher: Grundlagen
- Probewohnen. Mindestens vier Wochen im Zielland, außerhalb der Saison, in einer normalen Wohnung.
- Finanzplan. Kapitalbedarf für Umzug plus sechs Monate ohne Einkommen berechnen. Unsere Zahlen für Portugal stehen im Beitrag Auswandern nach Portugal.
- Einkommensquelle klären. Job vor Ort, Remote-Arbeit, Selbstständigkeit oder Rente. Bei Selbstständigkeit: Wo bist du steuerpflichtig, wo sozialversichert?
- Sprachkurs beginnen. Ein Jahr Vorlauf macht den Unterschied zwischen Ankommen und Verlorensein.
- Pass und Ausweis prüfen. Beide sollten noch mindestens fünf Jahre gültig sein. Verlängerung im Ausland ist möglich, aber aufwendig.
- Beglaubigte Kopien und Apostillen. Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Zeugnisse, Führungszeugnis. Je nach Zielland mit Apostille und Übersetzung. Das dauert Wochen, also früh anfangen.
- Steuerberater mit Auslandserfahrung suchen. Vor allem bei Vermögen, Immobilien oder Selbstständigkeit ist die Wegzugsbesteuerung ein Thema, das man vorher klären muss.
6 bis 3 Monate vorher: Verträge und Vermögen
- Wohnung kündigen oder untervermieten. Kündigungsfrist meist drei Monate. Bei Eigentum: vermieten statt verkaufen, mindestens im ersten Jahr.
- Alle laufenden Verträge auflisten. Strom, Gas, Internet, Handy, Fitnessstudio, Zeitschriften, Streaming, Vereine. Sonderkündigungsrecht bei Wegzug ins Ausland gilt bei vielen Anbietern, aber nicht bei allen.
- Versicherungen prüfen. Haftpflicht und Hausrat enden meist mit dem Wegzug oder gelten nur begrenzt. Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung laufen meist weiter, aber den Versicherer informieren. Kfz-Versicherung endet mit Abmeldung des Fahrzeugs.
- Krankenversicherung klären. Innerhalb der EU: Wechsel ins Zielland oder S1-Verfahren für Rentner. Außerhalb der EU: internationale Versicherung abschließen und Anwartschaft bei der deutschen Kasse beantragen. Details im Beitrag Auswandern mit 50+.
- Rentenversicherung informieren. Kontenklärung beantragen, damit alle Zeiten erfasst sind. Rentner: neue Bankverbindung und Adresse melden.
- Bankkonto in Deutschland behalten. Für Rente, Steuererstattungen und Rückkehr. Manche Banken schließen Konten von Kunden ohne deutschen Wohnsitz, also vorher fragen.
- Depot und Vermögen prüfen. Manche Broker kündigen bei Wegzug. Bei größerem Vermögen kann die Wegzugsbesteuerung greifen, das klärt der Steuerberater aus Punkt 7.
- Auto: verkaufen oder mitnehmen? Import und Ummeldung sind in vielen Ländern teuer. Meist ist Verkauf in Deutschland die bessere Rechnung.
3 bis 1 Monat vorher: Organisation
- Umzug buchen. Spedition, Container oder eigener Transporter. Angebote vergleichen, Versicherung prüfen.
- Ausmisten. Was du in zwei Jahren nicht benutzt hast, kommt nicht mit. Umzug nach Volumen ist teuer.
- Arzt- und Zahnarzttermine. Vorsorge, Zahnreinigung, Rezepte für Dauermedikamente für drei Monate. Krankenakte in Kopie mitnehmen.
- Haustiere. EU-Heimtierausweis, Tollwutimpfung mindestens 21 Tage vor Reise, Mikrochip. Bei Nicht-EU-Ländern Quarantäneregeln prüfen.
- Kinder. Schulabmeldung, Schulzeugnisse übersetzen lassen, Anmeldung im Zielland vorbereiten.
- Vollmachten. Eine Person in Deutschland mit Kontovollmacht und Postvollmacht ausstatten. Das erspart später viele Probleme.
- Nachsendeauftrag. Bei der Post für zwölf Monate ins Ausland, kostet etwa 40 bis 80 Euro.
- Digitale Identität sichern. Online-Ausweisfunktion aktivieren, Elster-Zertifikat sichern, Zwei-Faktor-Apps auf ein Gerät übertragen, das du behältst. Deutsche Handynummer eventuell als Prepaid weiterführen für SMS-Codes.
Die letzten Wochen: Abmeldung Deutschland beim Auswandern
- Kündigungsbestätigungen sammeln. Alles schriftlich, alles in einem Ordner.
- Zählerstände dokumentieren. Fotos mit Datum bei Übergabe der Wohnung.
- Abmeldung beim Einwohnermeldeamt. Frühestens eine Woche vor, spätestens zwei Wochen nach dem Auszug. Du bekommst eine Abmeldebescheinigung, die du im Ausland oft brauchst. Ab diesem Datum giltst du als weggezogen.
- Finanzamt informieren. Neue Adresse mitteilen. Für das Wegzugsjahr musst du noch eine Steuererklärung in Deutschland abgeben.
- Kfz abmelden, falls verkauft oder mitgenommen. Versicherung endet automatisch.
- Rundfunkbeitrag abmelden. Mit Abmeldebescheinigung, sonst läuft er weiter.
- Auslandsdeutsche registrieren. Freiwillig, aber sinnvoll: Die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts, damit die Botschaft dich im Notfall erreicht.
Was nach der Ankunft kommt
Die Liste endet mit der Abmeldung, aber der Umzug nicht. Im Zielland folgen Steuernummer, Anmeldung, Bankkonto, Sozialversicherung und Krankenversorgung, alles in den ersten 90 Tagen. Wie das konkret abläuft, zeigt unser Beispiel für Portugal. Für andere Länder ist die Reihenfolge ähnlich, die Namen der Ämter unterscheiden sich.
Häufige Fragen
Muss ich mich in Deutschland abmelden?
Ja, wenn du deinen Wohnsitz aufgibst. Wer eine Wohnung in Deutschland behält, kann gemeldet bleiben, ist dann aber in der Regel weiterhin unbeschränkt steuerpflichtig. Das kann gewollt sein oder teuer werden, also mit dem Steuerberater klären.
Was passiert, wenn ich die Abmeldung vergesse?
Rundfunkbeitrag, Steuerpflicht und Versicherungen laufen weiter. Eine nachträgliche Abmeldung ist möglich, Bußgelder sind selten, aber die Nachzahlungen können ins Geld gehen.
Wie lange dauert die gesamte Vorbereitung?
Ein Jahr ist komfortabel, sechs Monate machbar, drei Monate stressig. Unter drei Monaten geht es nur, wenn du keine Immobilie, keine Kinder und keine Selbstständigkeit hast.

