Ein Wochenende im Kloster ist die radikalste Form der kurzen Auszeit: kein Programm, kein Lärm, feste Zeiten, einfache Räume. Genau deshalb funktioniert es so gut. Wer zum ersten Mal darüber nachdenkt, hat aber meist die gleichen Fragen: Muss ich gläubig sein? Muss ich mitbeten? Was kostet das? Und was mache ich den ganzen Tag?
Wie ein Klosterwochenende abläuft
Anreise ist meist am Freitagnachmittag. Du bekommst ein einfaches Einzelzimmer, oft mit Waschbecken, manchmal mit eigenem Bad. Um 18 Uhr gibt es Abendessen, danach die Vesper oder Komplet, das Nachtgebet. Ab etwa 20 Uhr herrscht in vielen Häusern Stille bis zum Morgen.
Der Samstag beginnt früh, in Benediktinerklöstern oft schon um 5 oder 6 Uhr mit dem Morgengebet. Gäste dürfen kommen, müssen aber nicht. Frühstück gibt es ab etwa 7 Uhr. Danach bist du frei: Spaziergang, Lesen, Klostergarten, Bibliothek. Mittagessen gegen 12 Uhr, am Nachmittag wieder Ruhe, abends das gleiche Ritual wie am Vortag. Am Sonntag nach dem Gottesdienst und dem Mittagessen reist du ab.
Diese Struktur ist der Kern der Erfahrung. Du musst nichts entscheiden. Die Glocke sagt dir, wann Essen ist, und dazwischen gibt es nichts, was du verpassen könntest.
Kloster auf Zeit: Kosten im Überblick
| Angebot | Preis pro Nacht | Enthalten |
|---|---|---|
| Gästehaus, Einzelzimmer, Vollpension | 55–90 € | 3 Mahlzeiten, Teilnahme an Gebetszeiten |
| Begleitete Schweigetage / Exerzitien | 80–130 € | Unterkunft, Verpflegung, Gespräche, Kursleitung |
| Kloster auf Zeit (1–4 Wochen, Mitleben) | Spende oder 25–50 € | Unterkunft, Verpflegung, Mitarbeit im Alltag |
| Klosterhotel (kommerziell betrieben) | 100–180 € | Hotelstandard, Halbpension, oft Wellness |
Viele Klöster nennen keinen festen Preis, sondern einen Richtwert für die Spende. Wer wenig Geld hat, spricht das offen an. Das Gästehaus ist keine Einnahmequelle, sondern Teil des Auftrags.
Muss ich gläubig sein?
Nein. Die Gastfreundschaft gehört zur Regel der meisten Orden, gerade bei den Benediktinern. Erwartet wird, dass du den Rhythmus des Hauses respektierst: Stille einhalten, pünktlich zum Essen kommen, im Gottesdienst nicht stören. Ob du betest, ist deine Sache. Viele Gäste sitzen in der Kirche, hören dem Gesang zu und empfinden das als Meditation, ohne ein Wort mitzusprechen.
Welches Kloster passt zu mir?
Drei Fragen helfen bei der Auswahl. Erstens: Willst du schweigen oder reden? Manche Häuser bieten begleitete Schweigetage, andere freie Aufenthalte, bei denen man beim Essen durchaus spricht. Zweitens: Frauen- oder Männerkloster? Beide nehmen in der Regel Gäste beiderlei Geschlechts auf, die Atmosphäre unterscheidet sich aber spürbar. Drittens: Land oder Stadt? Ein Kloster am Waldrand mit Garten ist eine andere Erfahrung als ein Konvent in der Innenstadt.
Bekannte Anlaufstellen für Einsteiger sind Benediktinerabteien in Bayern und Baden-Württemberg, Zisterzienserinnenklöster in Norddeutschland und evangelische Kommunitäten, die ähnliche Gästeprogramme anbieten. Fast alle haben eine Website mit Belegungsanfrage per E-Mail. Buche früh, die Wochenenden im Herbst und in der Fastenzeit sind oft Monate vorher voll.
Packliste für das Klosterwochenende
- Bequeme, gedeckte Kleidung, warme Socken (Kirchen sind kalt, auch im Sommer)
- Hausschuhe, da viele Gästehäuser Holzböden und Stille haben
- Ein Buch, ein Notizheft, ein Stift. Kein Laptop.
- Taschenlampe für den Weg zur Frühmesse im Dunkeln
- Eigenes Handtuch und Seife, falls im Gästehaus nicht gestellt (vorher fragen)
- Bargeld für die Spende und den Klosterladen
- Ohrstöpsel, wenn du in der Nähe der Glocke schläfst
Was du zu Hause lassen solltest: Erwartungen. Wer mit einem Ziel anreist, etwa eine Entscheidung zu treffen oder ein Problem zu lösen, ist meist enttäuscht. Wer einfach nur da ist, bekommt oft genau das, was er brauchte.
Auszeit im Kloster für Anfänger: drei Dinge, die uns überrascht haben
Erstens: Wie schnell der Hunger nach dem Handy verschwindet. Nach einem Tag ohne Empfang fällt es kaum noch auf. Wer das vorher üben will, findet in unserem Digital-Detox-Plan für 48 Stunden einen Einstieg. Zweitens: Wie gut das Essen ist. Klosterküche ist einfach, aber sorgfältig, oft mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Drittens: Wie schwer der Abschied fällt. Fast alle Gäste, mit denen wir gesprochen haben, hatten am Sonntag das Gefühl, jetzt erst richtig angekommen zu sein. Deshalb unser Rat: Beim zweiten Mal drei bis vier Nächte buchen.
Häufige Fragen
Kann ich als Paar oder mit Kindern ins Kloster?
Paare ja, viele Häuser haben Doppelzimmer. Kinder sind in klassischen Gästehäusern selten erlaubt, in Klosterhotels und bei Familienwochen einzelner Orden dagegen willkommen.
Darf ich früher abreisen?
Ja, niemand hält dich. Sag es aber der Gästeleitung, damit dein Zimmer nicht leer bleibt.
Gibt es WLAN?
Meist nur im Gästebereich, manchmal gar nicht. Sieh es als Teil des Angebots.

