Albanien ist das Land, das in Europa am längsten unentdeckt blieb, weil man vierzig Jahre lang nicht hineinkam. Bis 1990 war es das abgeschottetste Land des Kontinents, ohne Privatautos, ohne Auslandsreisen, mit über hunderttausend Bunkern in der Landschaft. Heute ist es das Ziel, bei dem Reisende sagen, sie wollten hin, bevor alle anderen kommen. Was sie meist finden: 450 Kilometer Küste, Berge über 2.500 Meter, antike Städte und Preise, die an Griechenland vor zwanzig Jahren erinnern.
Was man über Albanien wissen sollte
Ein paar Dinge nehmen einem die Unsicherheit vorweg.
- Einreise: Deutsche, österreichische und Schweizer Staatsangehörige brauchen kein Visum und dürfen sich bis zu 90 Tage aufhalten. Der Personalausweis genügt.
- Währung: Gezahlt wird in Lek. Der Euro wird vielerorts angenommen, meist zu einem schlechteren Kurs. Bargeld ist wichtiger als in Westeuropa, Karten funktionieren in Städten, aber nicht auf jedem Dorfmarkt.
- Sicherheit: Die Kriminalitätsrate gegenüber Touristen ist niedrig. Das größere Risiko sind der Straßenverkehr und schlecht ausgebaute Bergstraßen.
- Sprache: Albanisch ist mit nichts verwandt, was man kennt. Jüngere sprechen oft Englisch, Ältere häufig Italienisch, in Nordalbanien auch Deutsch durch Auswanderer.
- Gastfreundschaft: Sie ist keine Touristenfolklore, sondern kulturell tief verankert. Einladungen sind ernst gemeint.
Die Highlights: Küste, Berge, Städte
Die Albanische Riviera
Zwischen Vlora und Saranda fällt der Llogara-Pass aus über 1.000 Metern Höhe zum Meer ab, und dahinter beginnt die Riviera. Orte wie Dhërmi, Himara und Ksamil liegen an türkisfarbenem Wasser, teils an Kiesbuchten, die nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar sind. Ksamil gegenüber von Korfu ist im Hochsommer voll, im Juni und September dagegen ruhig.
Die Albanischen Alpen
Im Norden liegt der andere Teil des Landes. Die Theth-Valbona-Wanderung ist die bekannteste Bergtour des Balkans: gut sechs bis acht Stunden über einen Pass, mit Übernachtung in Gästehäusern in beiden Tälern. Die Anreise führt über die Fähre auf dem Koman-Stausee, die durch eine Schlucht fährt und selbst zur Attraktion geworden ist. Wer weiter will, folgt dem Fernwanderweg Peaks of the Balkans über die Grenzen nach Montenegro und in den Kosovo.
Die historischen Städte
Berat, die Stadt der tausend Fenster, und Gjirokastra, die Stadt aus Stein, stehen beide auf der UNESCO-Welterbeliste. In beiden wohnt man in osmanischen Häusern mit Holzdecken, in Gjirokastra überragt eine Festung den Ort. Butrint im Süden ist eine antike Ausgrabungsstätte mit griechischem Theater, römischem Bad und byzantinischer Basilika, mitten in einer Lagunenlandschaft.
Tirana
Die Hauptstadt ist keine Schönheit, aber sie ist lebendig. Sehenswert sind das Museum Bunk’Art in einem Atombunker der Diktatur und das Viertel Blloku, das früher der Parteiführung vorbehalten war und heute aus Cafés besteht.
Was eine Reise kostet
| Posten | Richtwert |
|---|---|
| Gästehaus oder einfaches Hotel, Doppelzimmer | 25 bis 45 € |
| Essen im lokalen Restaurant, Hauptgericht | 4 bis 8 € |
| Kaffee | unter 1 € |
| Mietwagen pro Tag | ab etwa 25 € |
| Fernbus zwischen zwei Städten | 3 bis 8 € |
| Koman-Fähre | um 10 € |
Mit rund 40 bis 50 Euro am Tag reist man bequem, sparsam geht es deutlich darunter. Teuer wird nur die Riviera im August.
Anreise und Fortbewegung
Der Flughafen Tirana wird ab Deutschland direkt angeflogen, die Flugzeit beträgt gut zwei Stunden. Wer mit dem Auto anreist, fährt über Italien und die Fähre nach Durrës oder über Kroatien und Montenegro.
Im Land selbst gibt es keine nennenswerte Eisenbahn. Man fährt mit Minibussen, den Furgons, die ohne festen Fahrplan losfahren, sobald sie voll sind, oder mit dem Mietwagen. Der Mietwagen ist die eigentliche Freiheit, verlangt aber Nerven: Überholmanöver sind kreativ, Schlaglöcher häufig, und in den Bergen sollte man Serpentinen nicht bei Dunkelheit fahren.
Die beste Reisezeit
Für Küste und Baden eignen sich Juni und September am besten, im Juli und August ist es heiß und die Riviera gefüllt. Zum Wandern in den Albanischen Alpen ist die Saison kurz: Von Mitte Juni bis Anfang Oktober sind die Pässe zuverlässig frei, davor liegt oft noch Schnee. Städte wie Berat und Gjirokastra funktionieren auch im Frühling und Herbst, dann sogar angenehmer.
Für wen Albanien sich besonders lohnt
Albanien ist ein gutes Ziel für alle, die alleine unterwegs sind. Die Wege sind kurz, die Gästehäuser familiär, und auf der Theth-Valbona-Route trifft man zwangsläufig dieselben Leute wieder. Es ist auch ein Ziel für alle, die eine erste längere Auszeit testen wollen, ohne viel Geld zu binden: Bei diesen Preisen kostet ein Monat weniger als zwei Wochen in Westeuropa.
Wer davon mehr will, findet in unserer Rubrik Abenteuer & Alleinreisen weitere Texte, etwa zu Mikroabenteuern in 24 Stunden oder zum ersten Fernwanderweg.
Häufige Fragen
Ist Albanien sicher für Alleinreisende?
Ja. Gewaltkriminalität gegenüber Reisenden ist selten, auch Frauen berichten überwiegend von unproblematischen Erfahrungen. Vorsicht gilt vor allem im Straßenverkehr.
Braucht man einen Mietwagen?
Nicht zwingend. Die Küste und die großen Städte lassen sich mit Furgons erreichen. Für abgelegene Buchten und die Bergdörfer ist ein Auto deutlich bequemer.
Wie viele Tage sollte man einplanen?
Eine Woche reicht für Küste oder Berge, zwei Wochen für beides zusammen mit Berat und Gjirokastra.


