Ein Mikroabenteuer ist ein Abenteuer, das zwischen Feierabend und dem nächsten Morgen passt. Kein Urlaub, kein Flug, keine Ausrüstung für tausend Euro. Du gehst nach der Arbeit los, schläfst irgendwo draußen oder tust etwas, das du noch nie getan hast, und bist am nächsten Tag pünktlich zurück. Der Begriff stammt vom britischen Abenteurer Alastair Humphreys, und die Idee funktioniert in Deutschland genauso gut wie in England.
15 Mikroabenteuer Ideen für Deutschland
Ohne Übernachtung (Feierabend bis Mitternacht)
- Sonnenuntergang auf dem höchsten Punkt deines Landkreises. Nachschlagen, hinfahren, hochlaufen, warten. Mit Stirnlampe zurück.
- Nachtwanderung bei Vollmond. Ohne Lampe, auf bekannten Wegen. Nach zwanzig Minuten sehen die Augen genug.
- Flussschwimmen. An einer sicheren Stelle in einen Fluss steigen, in dem du noch nie warst, zwei Kilometer treiben lassen, zu Fuß zurück.
- Mit dem Rad bis zum Ende der Straße. Eine Straße wählen, die aus deinem Ort führt, und ihr folgen, bis sie endet oder du umkehren musst.
- Bahn bis zur Endstation. In die nächste Regionalbahn steigen, bis zur letzten Haltestelle fahren, den Ort erkunden, zurück.
Mit Übernachtung (Feierabend bis Morgen)
- Die Hügelnacht. Der Klassiker: Nach der Arbeit auf einen Hügel, im Biwaksack schlafen, vor Sonnenaufgang wach, zum Frühstück zurück. Das Mikroabenteuer, mit dem die meisten anfangen.
- Trekkingplatz im Wald. Offizielle Plätze in Pfalz, Schwarzwald, Eifel, Frankenwald und Sauerland für 10 bis 15 Euro. Legal, ruhig, mit Komposttoilette. Buchung online.
- Nacht im Bahnhof. Nicht buchstäblich: Ein Zimmer in einem Bahnhofshotel einer Kleinstadt, die du nur vom Durchfahren kennst. Abends ankommen, morgens den Ort ablaufen, weiterfahren.
- Kanu über Nacht. Kanu mieten, flussabwärts paddeln, an einem Wasserwanderplatz übernachten, morgens zurück oder Abholung. Lahn, Altmühl, Wümme, Mecklenburgische Seen.
- Nacht auf dem Balkon. Das kleinste Mikroabenteuer. Schlafsack, Isomatte, Balkon oder Garten. Klingt banal, verändert den Blick auf die eigene Wohnung.
Mit mehr Aufwand (24 Stunden)
- Grenze zu Fuß. Zur nächsten Landes- oder Staatsgrenze laufen, sie überqueren, drüben übernachten. In Grenznähe ein Tagesprojekt.
- Quelle bis Mündung, in Etappen. Einen kleinen Fluss in deiner Region von der Quelle bis zur Mündung ablaufen, an einem Tag oder verteilt über mehrere Wochenenden.
- Nachtzug irgendwohin. Abends in einen Nachtzug oder Fernbus, morgens in einer Stadt, die du nicht kennst, abends zurück.
- Insel ohne Auto. Fähre zu einer Nordsee- oder Ostseeinsel, eine Nacht, zu Fuß über die Insel. Ideen für ruhige Ziele stehen im Beitrag zu den stillen Inseln Europas.
- Alleine losziehen. Irgendeine der Ideen oben, aber ohne Begleitung. Der Schritt vom Wochenende zu zweit zum Abenteuer allein ist der größte, und der lohnendste. Für Frauen haben wir dazu den Beitrag Alleine wandern als Frau.
Darf ich in Deutschland draußen schlafen?
Wildcampen mit Zelt ist in Deutschland in den meisten Bundesländern verboten oder stark eingeschränkt, in Naturschutzgebieten und Nationalparks immer. Das Übernachten ohne Zelt, also im Biwaksack oder Schlafsack, ist rechtlich eine Grauzone: Es gilt in vielen Ländern als „Lagern“ und damit ebenfalls als nicht erlaubt, wird aber bei einer Nacht ohne Feuer, ohne Müll und ohne Aufbauten in der Praxis meist geduldet. Verlässlich legal sind: Trekkingplätze, private Wiesen mit Erlaubnis des Eigentümers, Wasserwanderrastplätze und Campingplätze. Wer sicher gehen will, fragt den Bauern oder bucht den Trekkingplatz. Wer das Risiko eingeht, verhält sich so, dass niemand merkt, dass er da war.
Packliste für ein Mikroabenteuer mit Übernachtung
- Schlafsack, passend zur Nachttemperatur (im Sommer reicht ein leichter)
- Isomatte, aufblasbar oder Schaumstoff
- Biwaksack oder Tarp gegen Tau und Regen (rund 30 bis 80 Euro, die einzige Investition)
- Stirnlampe
- Wasser, ein Liter pro Person mindestens, plus Abendessen und Frühstück ohne Kochen
- Warme Schicht für die Nacht, auch im Sommer
- Handy voll geladen, aber im Flugmodus
- Müllbeutel: Alles, was du mitbringst, nimmst du wieder mit
Das ganze Set passt in einen 25-Liter-Rucksack und wiegt unter fünf Kilo. Wer noch keinen Schlafsack hat, leiht sich einen. Die Kosten für das erste Mikroabenteuer liegen bei null bis 20 Euro.
Das erste Mikroabenteuer: ein Plan
Nimm einen Freitag im Mai oder September, wenn die Nächte mild sind. Such dir einen Hügel oder Waldrand in 30 Minuten Entfernung, mit Blick nach Osten. Pack nach der Liste oben, fahr nach der Arbeit los, sei vor Sonnenuntergang oben. Iss, schau, schlaf. Der Wecker geht 30 Minuten vor Sonnenaufgang. Sieh zu, pack ein, sei um 9 Uhr beim Bäcker. Du wirst müde sein, und du wirst es wieder tun. Das ist der Einstieg, der bei fast allen funktioniert, und die Vorstufe zu größeren Touren wie einem Fernwanderweg für Einsteiger.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Mikroabenteuer und Wochenendausflug?
Der Ausflug ist geplant und bequem. Das Mikroabenteuer ist kurz, etwas unbequem und enthält mindestens eine Sache, die du noch nie gemacht hast.
Kann ich Mikroabenteuer im Winter machen?
Ohne Übernachtung ja, mit Übernachtung nur mit Wintererfahrung und passender Ausrüstung. Die Ideen 1 bis 5 und 8 funktionieren das ganze Jahr.
Was, wenn ich Angst habe, allein draußen zu schlafen?
Beim ersten Mal jemanden mitnehmen, oder mit dem Balkon beginnen. Die Angst vergeht nach der ersten Nacht, das berichten fast alle.


