Serien über Aussteiger erzählen, was das Magazin hier in Ratgebern beschreibt, nur mit besseren Kulissen: jemand kündigt, verkauft, verschwindet, zieht aufs Land, ins Ausland oder in ein Wohnmobil. Ich habe acht Serien ausgewählt, in denen der Neuanfang nicht Nebenhandlung ist, sondern Kern, und sage bei jeder dazu, was am gezeigten Ausstieg realistisch ist. Denn das ist der Unterschied zwischen einer guten Serie und einer guten Idee.
1. Schitt’s Creek (2015–2020)
Eine reiche Familie verliert alles und muss in eine Kleinstadt ziehen, die sie einmal aus Spaß gekauft hat. Der Ausstieg ist unfreiwillig, und genau das macht die Serie so gut: Niemand will neu anfangen, alle müssen es. Sechs Staffeln lang wird aus Zwang Zuhause. Realistisch: die Phase, in der man den alten Status nicht loslassen kann. Unrealistisch: dass jeder in der Stadt so geduldig ist.
2. The Durrells (2016–2019)
Eine verwitwete Engländerin zieht 1935 mit vier Kindern nach Korfu, ohne Geld, ohne Plan, ohne Griechisch. Nach den Erinnerungen von Gerald Durrell. Die Serie zeigt den Auswanderer-Traum in seiner sonnigsten Form und ist trotzdem ehrlich über Geld, Sprache und Einsamkeit. Realistisch: wie lange es dauert, bis man dazugehört. Unrealistisch: die Behörden. Wer wissen will, wie es heute läuft, liest den Beitrag Auswandern nach Portugal.
3. Breaking Bad (2008–2013)
Der Ausstieg als Katastrophe. Ein Chemielehrer verlässt sein Leben nicht, indem er geht, sondern indem er ein anderer wird. Die Serie ist das Gegenmodell zu jeder romantischen Aussteigergeschichte: Was passiert, wenn man das Hamsterrad verlässt, ohne zu wissen, wohin. Realistisch: die Verlockung, endlich gesehen zu werden. Unrealistisch: fast alles andere, zum Glück.
4. Detectorists (2014–2022)
Zwei Männer in Essex gehen mit Metalldetektoren über Felder. Das ist die ganze Handlung, und sie reicht für drei Staffeln. Die Serie handelt vom kleinen Ausstieg: dem Hobby, das wichtiger wird als der Job, den Nachmittagen im Feld, dem Leben in der Nische. Realistisch: alles. Detectorists ist die vielleicht ehrlichste Serie über den Wunsch, langsamer zu leben. Wer den Gedanken mag, findet die Alltagsvariante in unseren Mikroabenteuern.
5. The Good Place (2016–2020)
Keine Aussteiger-Serie im engen Sinn, aber eine über den größten Neuanfang: Was tun, wenn man merkt, dass das bisherige Leben nicht gereicht hat? Die Serie verpackt Moralphilosophie in eine Sitcom und stellt in jeder Staffel die Frage, ob man sich wirklich ändern kann. Realistisch: dass Neuanfang Arbeit ist. Unrealistisch: das Jenseits, vermutlich.
6. Nomadland (2020, Film) und die Serie dazu: Meine Vorschläge
Nomadland ist ein Film, keine Serie, aber er gehört hierher, weil er das Leben im Van ohne Verklärung zeigt: Frauen über sechzig, die nach der Finanzkrise in Wohnmobilen durch die USA ziehen, saisonal arbeiten und einander helfen. Wer die Serienform sucht, findet in vielen Doku-Serien über Vanlife eine ähnliche Mischung aus Freiheit und Prekarität. Realistisch: die Kälte im Winter, die Arbeit im Lager, die Einsamkeit. Unrealistisch: nichts, das ist die Stärke.
7. Der Bergdoktor (seit 2008)
Die deutsche Variante des Neuanfangs: Ein Arzt kehrt aus New York nach Tirol zurück und übernimmt die Praxis des Vaters. Man kann die Serie belächeln, aber sie erzählt seit über fünfzehn Jahren dieselbe Sehnsucht, die auch dieses Magazin antreibt, und trifft damit ein Millionenpublikum. Realistisch: die Landarztkrise. Unrealistisch: das Wetter.
8. Dark (2017–2020)
Winden, eine Kleinstadt in Deutschland, ein Atomkraftwerk, verschwundene Kinder. Die Serie handelt von Menschen, die nicht entkommen können, aus der Stadt nicht, aus der Zeit nicht, aus der Familie nicht. Als Gegenstück zu allen Aussteigerträumen ist Dark der Beweis, dass die Frage „Kann ich hier weg?“ auch die Antwort „Nein“ haben kann. Realistisch: die Kleinstadt. Unrealistisch: die Zeitreisen. Wer nach Dark wieder Luft braucht, schaut die Liste der Gefängnisausbruch-Filme, dort kommen die Leute wenigstens raus.
Serien über Neuanfang: Übersicht
| Serie | Jahre | Art des Ausstiegs | Ton | Staffeln |
|---|---|---|---|---|
| Schitt’s Creek | 2015–2020 | Unfreiwillig, Kleinstadt | Komödie | 6 |
| The Durrells | 2016–2019 | Auswandern | Warm, historisch | 4 |
| Breaking Bad | 2008–2013 | Doppelleben | Drama | 5 |
| Detectorists | 2014–2022 | Hobby als Leben | Leise Komödie | 3 + Special |
| The Good Place | 2016–2020 | Innerer Neuanfang | Sitcom | 4 |
| Nomadland | 2020 | Leben im Van | Film, dokumentarisch | – |
| Der Bergdoktor | seit 2008 | Rückkehr aufs Land | Familienserie | 17+ |
| Dark | 2017–2020 | Kein Entkommen | Mystery | 3 |
Was Aussteiger-Serien über den echten Ausstieg verraten
Drei Muster tauchen in fast allen auf. Erstens: Der Ausstieg ist selten freiwillig, meist zwingt etwas dazu. Zweitens: Die ersten Monate sind schlechter als das alte Leben, die Verbesserung kommt später. Drittens: Niemand steigt allein aus, immer gibt es Menschen am neuen Ort, die den Unterschied machen. Das deckt sich erstaunlich gut mit dem, was Menschen berichten, die es wirklich getan haben, und mit dem, was wir im Beitrag Raus aus dem Hamsterrad beschreiben.
Häufige Fragen
Welche Serie über Aussteiger ist die realistischste?
Detectorists für den kleinen Ausstieg, Nomadland für den großen.
Gibt es deutsche Serien über Neuanfang?
Der Bergdoktor als Dauerbrenner, Dark als Gegenentwurf. Dazu einige Doku-Serien über Auswanderer, die zwar oft reißerisch geschnitten sind, aber echte Fälle zeigen.
Welche Serie passt zu einem Abend nach einer schlechten Woche?
Schitt’s Creek. Zwei Folgen reichen.

